Kündigung der „Zukunftsvorsorge“

Nachteilige Verträge muss man so rasch als möglich beenden.

Im letzen Blogbeitrag habe ich analysiert, warum mein Klient die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge mit Kapitalgarantie beenden sollte. In diesem Beitrag werdet ihr erfahren, welche Summe mit der Kündigung tatsächlich herausgekommen ist. Ich hatte die Erwartung, dass der Kunde in etwa die eingezahlten Prämien erhält.

Gründe für den Rücktritt | die Ergebnisse aus der Analyse

Hier kurz zusammengefasst die Gründe für meine Empfehlung:

  • Effektive Verzinsung nur 0,9% pro Jahr (trotz hoher staatlicher Prämien zw. 4,25% und 9,5%)
  • Veranlagung der Prämien in sehr teurem, renditeschwachen Aktienfonds bzw. im niedrig verzinsten Deckungsstock der Versicherung
  • Fehlende Transparenz bei Kosten, Gebühren und Provisionen

Der Vertrag läuft bereits seit 2005 und sollte bis zum Jahr 2055 laufen. Wir sprechen also von einer Restlaufzeit von 36 Jahren. Da die Performance in den vergangenen 14 Jahren sehr mager war, gehe ich nicht davon aus, dass sich das in Zukunft drastisch ändern wird. Außerdem hat man absolut keine Ahnung, welcher Anteil der bezahlten Prämien in Form von Provisionen direkt an die Versicherung bzw. den Vermittler – und damit nicht in die Veranlagung – gehen.

Kündigung des Vertrags | der Finanzvertrieb lässt dich alleine

Im Auftrag meines Klienten informierte ich den Finanzvermittler (eines großen namhaften Finanzvertriebs), dass mein Klient den Vertrag zurückkaufen möchte. Dieser hatte allerdings – trotz der vermeintlich hohen Provisionen für den Vertragsabschluss – kein Interesse daran, die notwendigen Dokumente für seinen Kunden vorzubereiten und an das Versicherungsunternehmen weiterzuleiten. Alleine diese Tatsache regt schon zum Nachdenken an.

6. Kritikpunkt: Der Finanzvertrieb „unterstützt“ gerne beim Abschluss und lässt den Kunden bei Unzufriedenheit alleine.

Also übernahm ich die Angelegenheit und übermittelte die unterfertigten Rückkauf-Formulare direkt an das Versicherungsunternehmen. Die Kündigung ist grundsätzlich sehr einfach, da man nur die Polizzennummer und die Kontodaten für die Auszahlung des Vertrags einfüllen muss. Das unterfertigte Formular muss dann samt Originalpolizze an das Versicherungsunternehmen gesendet werden.

Auszahlung | das böse Erwachen

Ca. 2-3 Wochen nach der Übermittlung der Unterlagen – per 9.5.2019 – erhielt mein Klient folgende Bestätigung:

Auszug der Rückkaufsbestätigung mit dem Nettoerlös aber ohne die Summe der eingezahlten Prämien.

Was fällt hier sofort auf? Man hat absolut keine Ahnung, wie hoch die tatsächliche Prämienleistung des Klienten war. Da könnte man beinahe unterstellen, dass die Versicherung nicht mit dem Finger darauf zeigen möchte, wie wenig hier tatsächlich heraus kommt. Außerdem erfährt man nicht, wie sich der Kurs der Veranlagung entwickelt hat und wie die Rendite im Deckungsstock im letzten Jahr war.

7. Kritikpunkt: Man erfährt nicht, in wie hoch die Prämienzahlungen waren und wie sich der Rückkaufswert zusammensetzt.

Wir können das dank der letzten Polizzeninformation allerdings grob hochrechnen. Per 16.05.2018 waren 5.116 € an Prämien bezahlt, dann wurden noch 12 Monate lang jeweils 40 € also 480 € bis inkl. April 2019 bezahlt. In Summe also 5.596 €.

Jetzt wird es spannend…

Zieht man vom „Nettoerlös“ = 5.568 € die eingezahlten 5.596 € ab, dann bleibt leider ein Verlust von 28 € übrig. Es wäre sinnlos, hier noch die effektive jährliche Verzinsung zu berechnen. Klartext: Der Sohn des Kunden erhält nicht einmal seine bezahlten Prämien zurück.

Finanzvertrieb und Versicherung gewinnen | der Kunde verliert

Trotz einer Veranlagungsdauer von 14 Jahren (ab 2005) hat die Versicherung bzw. der Vermittler…

  • die Hälfte der staatlichen Förderung (162 €) kassiert -> sollte eigentlich der Versicherungsnehmer erhalten
  • sämtliche Zinserträge aus der Veranlagung (Fonds & Deckungsstock) einbehalten – laut Analyse rund 2% pro Jahr -> grobe Schätzung: über 800 € in 14 Jahren
  • sogar 28 € der vom Klienten bezahlten Prämie einbehalten

Ich gestehe dem Versicherer bzw. Vermittler natürlich auch einen fairen Anteil für die Kosten des Vertriebs und des Betriebs zu. Am Ende sollte aber – auch bei vorzeitiger Kündigung – beim Kunden schon deutlich mehr übrig bleiben. Es ist sehr bedauerlich, dass man nach 14 Jahren nicht einmal die eingezahlten Prämien (unverzinst) retour erhält. Das hat dann selbst mich überrascht.

Was mich am meisten irritiert: Man hat ja gar keine Ahnung, welche Partei (Vermittler, Versicherer) wie viel von den knapp 1.000 € (162 € + ~ 800 € + 28 €) – die dem Klienten zustehen – für welche Leistung einbehalten hat. Es herrscht eine Null-Transparenz-Politik!

8. Kritikpunkt: Finanzvertrieb und Versicherung haben sich über die gesamte Laufzeit an den Prämien bzw. Erträgen des Kunden bedient und der Kunde bekommt davon nichts mit.

Übrigens: Der Ertrag bei einem Sparbuch mit mehrjähriger Bindung wäre wesentlich höher gewesen.

Achtung | 20 € Zusatzgebühr

Weil es meinem Klienten eigenartig vorkam, dass die eingezahlten Prämien lt. Polizzeninformation per 16.05.2018 (genau 5.116,40 €) nicht durch die monatlichen Raten (20 € bzw. 40 €) teilbar sind und um es auch schwarz auf weiß zu haben, stellten wir noch eine Anfrage an die Versicherung zur Offenlegung der eingezahlten Prämien seit Beginn des Vertrags.

Hier erlebten wir leider einen weiteren Rückschlag, denn die Versicherung antwortete wie folgt:

Auszug: 20 € Gebühr, damit man weiß, wie hoch die Prämienzahlungen insgesamt waren.

Das hätte das Fass beinahe zum Überlaufen gebracht, aber mein Klient war natürlich nicht bereit, dass er neben der Tatsache, dass die Versicherung und der Vermittler eh schon gut auf seine Kosten gelebt haben, nochmals 20 € für eine aus unserer Sicht selbstverständliche Leistung bezahlt. Sieht so Kundenorientierung aus?

9. Kritikpunkt: Die Versicherung verrechnet eine Gebühr für die Information über die eingezahlten Prämien.

Eines steht für meinen Kunden fest, mit diesem Finanzvertrieb und mit dieser Versicherung wird er keinen Geschäftsabschluss mehr machen.

Was lernen wir daraus? Man sollte die eingezahlten Prämien abfragen, bevor man sich für die Kündigung entschieden hat.

Den Verlust realisieren | Ist das schon schlau?

Definitiv. Wenn ich einen sehr nachteiligen Vertrag abgeschlossen habe und diesen mit heutigem Wissen nicht mehr abschließen würde, dann beende ich ihn lieber mit einem blauen Auge und mache nicht nochmal den selben Fehler. Das der Vertrag nicht das hält, was versprochen wurde (9% staatliche Förderung bzw. 4,25% jetzt) konntest du in der Analyse sehen.

Im nächsten Blogbeitrag zeige ich dir, was herausgekommen wäre, wenn man den einfachsten und besten Weg zur Geldanlage umgesetzt hätte. Es ist nie zu spät zum Umstieg. Wichtig ist, dass das Geld in deinem Interesse gut angelegt ist und nicht in Form von Provisionen, Gebühren und Kosten an andere abfließt.

Bei Fragen, Anregungen oder Kritikpunkten kannst du mich gerne kontaktieren. Ich arbeite ausschließlich auf Honorarbasis und du musst nichts bezahlen, wenn ich dir nicht helfen kann. Finanzprodukte kannst du bei mir ohnehin nicht kaufen.

Hier geht’s zum letzten Teil der Analyse

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