Bausparen | Unvorteilhafte Geldanlage

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Unflexibel, hohe Gebühren und effektiv kaum Zinsen

In diesem Beitrag untersuche ich, ob der Bausparer als Geldanlage für den österreichischen Privatanleger sinnvoll ist oder nicht. Ich werde hier weder die Geschichte noch die Funktionsweise des Bausparvertrags mit Bausparer und Bauspardarlehen erörtern – dazu findet ihr jede Menge im World Wide Web. Es geht in diesem Beitrag rein um das Bausparen als „Geldanlage“. Wie sinnvoll ein Bauspardarlehen aus meiner Sicht ist, erläutere ich zu einem späteren Zeitpunkt.

Ganz generell spiegelt dieser Beitrag meine persönliche Meinung wieder. Zur Vereinfachung für die Leser habe ich ein paar vernachlässigbare Unschärfen bewusst in Kauf genommen.

Eckdaten des Bausparers

  • 6 Jahre Mindestlaufzeit
  • Staatliche, steuerfreie Prämie (derzeit. 1,5%)
  • Variable Verzinsung von der Bausparkasse (oft Lockangebote für die ersten Monate)
  • Sparleistung:
    • 100 € pro Monat, oder
    • 1.200 € pro Jahr.
    • 7.200 € insgesamt
  • Strafen bei verfrühter Auflösung oder Nichterreichen der Sparleistung

Wenn man das jetzt durchrechnet, kommt man auf eine maximale staatliche Prämie pro Jahr von 18 € (1,5% von 1.200 €). Bitte beachte immer, dass du die staatliche Prämie nur einmal für den eingezahlten Betrag bekommst. Auf 6 Jahre berechnet beträgt die staatliche Prämie derzeit bei einer Sparleistung von 7.200 € somit genau 108 €.

Die Bausparkassen bezahlen natürlich auch Zinsen für die Geldeinlage. Deine Guthaben-Zinsen berechnen sich meist auf Grundlage des 12 Monats-EURIBORs. Davon werden dann noch ca. 1,2% – 1,3% abgezogen. Zum Glück gibt es aber bei allen vier Bausparkassen derzeit eine Mindestverzinsung von 0,1% – 0,2%. Sonst wäre die Verzinsung so richtig negativ.

Wenn du die vertraglich vereinbarte Sparleistung nicht erreichst, so werden dir Verwaltungsgebühren verrechnet und wenn du gar den Vertrag vorzeitig kündigst (z. B. weil du das Geld doch schon früher benötigst), dann musst du die staatliche Prämie zurück zahlen, ein Teil der Verzinsung wird dir abgezogen und du musst Verwaltungsgebühren zahlen. Insgesamt kommt weniger heraus als du einbezahlt hast.

Analyse

Wir nehmen an, dass wir 100 € pro Monat auf 6 Jahre bausparen und damit auf die eingezahlten 7.200€ genau 108 € Bausparprämie plus Zinsen von 0,2% erhalten. Das wären bei der hier angenommen Mindestverzinsung dann insgesamt ca. 50 € auf die 6 Jahre gerechnet. Alles zusammen würde eine Gutschrift von ca. 7.360 € (vor KESt) bedeuten. Ist jetzt nicht die Welt für eine mittlere Kapitalbindung von 3 Jahren.

Auf nachfolgender Grafik zeige ich dir, warum ich davon ausgehe, dass die Mindestverzinsung für uns relevant ist:

12-Monats-EURIBOR und Bauspar-Mindestverzinsung
Chart: ariva.de mit eigenen Ergänzungen, 14.05.2019

Seit ca. 3 Jahren bewegt sich der 12-Monats-EURIBOR im negativen Bereich. Damit die tatsächlichen Bausparzinsen über die Mindestzinsen steigen, muss der EURIBOR über rd. 1,4% steigen. Da war er das letzte Mal Mitte 2012, also vor ca. 7 Jahren, der Fall. Glauben wir ernsthaft, dass die Zinsen in den nächsten Jahren rasch steigen werden? Das wäre jedenfalls ziemlich hart für die Wirtschaft und die Häuslbauer… Also ich glaube das eher nicht, beschäftige mich aber auch nicht intensiv damit. Jede Prognose ist wahrscheinlich falsch.

Ich bleibe nun bei der Annahme, die Mindestverzinsung ist die für uns relevante Verzinsung. Die tolle Seite durchblicker.at ermöglicht einen perfekten und transparenten Vergleich, zum effektiven Spar-Ergebnis für die fleißige Bausparerin.

Vergleich aktuelle Konditionen Bausparen. Wüstenrot, Raiffeisen Bausparkasse, S-Bausparkasse und Start Bausparkasse
www.durchblicker.at, Vergleich Bauspar-Konditionen, 14.05.2019

Was ich hier gesehen habe, hat mich dann doch sehr überrascht. Die ohnehin schon mageren Zinsen für die lange Laufzeit werden von den Gebühren aufgefressen. Bei zwei von den vier Angeboten zapft die Bausparkasse effektiv sogar ein bisschen die staatliche Prämie an. Zur Erinnerung: Wir haben 7.200 € für bis zu 6 Jahren eingezahlt und uns steht eine staatliche Prämie von 108 € zu. Insgesamt 7.308 € ohne Zinsen. Im besten Fall bleiben nach KESt keine 5 € Zinsen übrig. Im schlechtesten Fall zweigt sich die Bausparkasse 28 € von der Prämie ab. Irgendwie nicht so toll, oder?

Die Effektivverzinsung bewegt sich zwischen 0,5%-0,7%. Sie ist also nicht – wie man landläufig glaubt – über 1,5% (wegen der staatlichen Bausparprämie). Übrigens sind hier die Lockangebote mit höheren Start-Zinssätzen schon berücksichtigt. Liegt die Einzahlung unter 100 € pro Monat, sinkt die effektive Verzinsung sogar bis zu 0,2% beim unvorteilhaftesten Angebot.

Äußerst nachteilig für den Sparer ist auch die vorzeitige Auflösung des Vertrags oder das Nichterreichen der vereinbarten Sparleistung. Bei der Auflösung wirst du sehr wahrscheinlich weniger heraus bekommen, wie du eingezahlt hast. Eine teure Angelegenheit. Eigentlich wollten wir unser Geld ja nur sicher und fair verzinst für ein paar Jahre anlegen.

Fazit

Es lohnt sich nicht, sein Geld in einen Bausparvertrag zu stecken. Es gibt effektiv betrachtet zwar etwas höhere Zinsen als auf dem täglich fälligen Sparbuch allerdings bekomme ich für Festgelder (Vergleiche auf durchblicker.at) zum Beispiel bereits bei einer 3-jährigen Bindungsdauer viel höhere effektive Zinsen. Und ich bekomme sicher nicht weniger raus, wenn ich vorzeitig kündige.

Bei einem Bausparvertrag ist aus meiner Sicht nur eines fix: die Bank verdient an der Provision für den Abschluss und bekommt dein Geld für 6 Jahre gratis geliehen (da sie dir effektiv keine Zinsen zahlen). Die staatliche Prämie führt zu einer Effektivverzinsung von max. 0,7%. Bei einer Bindungsdauer von bis zu 6 Jahren mit hohen Vertragsstrafen ist die Kosten-/Nutzen-Relation in keinem vernünftigen Verhältnis. Außerdem solltest du nie vergessen, dass die Inflation im langfristigen Schnitt ca. 2% pro Jahr beträgt. Real kannst du dir also mit den etwas über 7.300 € dann deutlich weniger kaufen als bei Vertragsabschluss.

Wenn du dein Geld in ein paar Jahren brauchst, ist es vernünftiger, es auf ein Online-Sparbuch zu legen. Zu den besten Online-Sparbüchern Österreichs. Ab einem Anlagehorizont von 10 Jahren gibt es viel bessere Wege, wie du dein Kapital inflationsgeschützt und mit einer ordentlichen Marktrendite provisionsfrei anlegen kannst. Starte mit dem Geld anlegen.


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