50 Aktien fürs Leben oder lieber doch der ganze Heuhaufen?

Cover Capital | Ausgabe 10/2019 inkl. 50 Aktien fürs Leben

In diesem Blogartikel erfährst du, ob sich die Suche nach Stecknadeln – also nach den besten Unternehmen – tatsächlich lohnt.

Seit Jahren bin ich Abonnent der deutschen Wirtschaftszeitschrift Capital, die seit dem Jahr 2015 jedes Jahr „50 Aktien fürs Leben“ auswählt bzw. prämiert. Dabei werden die besten 50 Unternehmen aus einem Index mit 1.800 Unternehmen aufwendig herausgefiltert.

Die Filtermethode hat sich in den letzten Jahren kaum geändert. Dabei dürfen unter anderem die Unternehmens-Schulden nicht zu hoch sein, dass erwartete Wachstum muss passen, das Unternehmen darf nicht überbewertet sein, zwischenzeitliche Verluste müssen wieder aufgeholt sein und es muss über 25 Jahre hinweg immer eine höhere oder zumindest gleichbleibende Dividende gezahlt haben. 

Jene 50 Unternehmen, die diese Filterung überstanden haben, wurden in dem 15-seitigen Bericht als Aktien fürs Leben aufgelistet. Einige der 50 Unternehmen kennt man (zB. Siemens, Metro, Roche, Johnson & Johnson oder Danone), den Großteil aber nicht. 

Nun ja, was macht der Privatanleger jetzt mit dieser Liste?

Hast du schon Mal Aktien gekauft? Wenn ja, dann weißt du bestimmt, dass es wegen der Transaktionskosten kaum Sinn macht Aktien um weniger als 2.500€ zu kaufen. Also damit du alle 50 Unternehmen in dein Wertpapierdepot legen kannst, benötigst du mindestens 125.000€. Aber wer hat schon soviel Geld liquide?

Du müsstest dich also entscheiden, welche Aktien du kaufst. Um nicht alles auf ein Pferd zu setzen, solltest du schon mindestens fünf Unternehmen auswählen. Dann bist du ein bisschen diversifiziert. Aber welche fünf? Ich habe keine Idee, nach welchen Kriterien ich hier die „Richtigen“ (Besten) aussuchen könnte. Zufallsprinzip? Ein Unternehmen aus jeder Branche? Unternehmen aus verschiedenen Ländern/Kontinenten? Es ist eine echt schwierige Entscheidung. Schließlich geht es um mein hart verdientes Geld und das möchte ich nicht leichtfertig „falsch“ investieren.

Ich habe jedenfalls nicht die Zeit und auch kein Interesse daran, diese 50 besten Unternehmen im Detail zu analysieren um hier die 5 allerbesten Unternehmen für mich zu finden.

Vergleich mit dem Heuhaufen

Die Zeitschrift Capital startete mit der Auswahl im Jahr 2015 und ich rechne der Zeitschrift sehr hoch an, dass die Performance der vergangenen „50 Aktien fürs Leben“ ehrlich mit der eines breiten Index verglichen wird. Das ist wirklich nicht selbstverständlich. Fondsmanager machen das selten an prominenter Stelle.

Als Referenz-Index verwenden sie den allseits beliebten MSCI World-Index. Dieser beinhaltet über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrienationen. Es sind dies die größten und liquidesten Unternehmen der Welt. Apple, Alphabet (Google), Amazon und Microsoft sind enthalten und sogar drei österreichische Unternehmen – Voest, OMV, Andritz und Erste Group – sind vertreten. Letztere machen halt insgesamt weniger als 0,05% des Index aus und haben einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Entwicklung.

MSCI World Index | Kursverlauf 1970 – 09/2019 in USD (inkl. Dividenden ohne Quellensteuern)

John C. Bogle, der Gründer des Vermögensverwalters Vanguard, hätte den MSCI World-Index als Heuhaufen bezeichnet. Da ist einfach alles enthalten. Capital hat also die Entwicklung der „50 Aktien fürs Leben“ aller bisherigen Jahre mit dem Heuhaufen verglichen:

Zeitschrift Capital, Ausgabe 10/2019, Rückblick 50 Aktien fürs Leben

In rot siehst du, zu welcher Jahres-Auswahl sich die Rückschau bezieht. Die erste wurde in der Capital-Ausgabe 06/2015 gemacht. Vor vier Jahren. Man sieht die Top-Werte der Auswahl die deutlich über 100% zugelegt haben und die Flop-Unternehmen, die bis zu 59% in den vier Jahren verloren haben.

Interessant ist aber die gelb markierte Zeile „Im Schnitt“! Die 50 Unternehmen fürs Leben haben in den vier Jahren seit das Magazin erschienen ist um durchschnittlich 30% zugelegt. Das entspricht rund 7% pro Jahr und ist eigentlich eine super Rendite.

Viel interessanter ist jedoch die Entwicklung des MSCI World-Index in grün. Der ist im selben Zeitraum um 33% gestiegen. Der Heuhaufen hat somit die von der Zeitschrift aufwendig gesuchten Stecknadeln geschlagen. In den Jahren 2016, 2017 und 2018 zeigte sich das selbe Ergebnis. Der Heuhaufen war immer besser.

Capital: Es hat natürlich gute Gründe, warum die Auswahl den Index (Heuhaufen) nicht schlägt.

Wie immer, gibt es natürlich „gute Gründe“, warum die besten Unternehmen fürs Leben den Gesamtmarkt nicht schlagen. Das ist wie mit den Fondsmanagern, die auch immer gute Ausreden parat haben. Sie warten auf die Krise und schlagen dann den Markt. Leider schaffen sie es langfristig so gut wie nie.

Das Schöne beim Heuhaufen: Den kannst du schon um 50€ im Monat fast ohne Nebenkosten in Form eines ETF erwerben. Du brauchst weder 100.000€ um in 50 Unternehmen fürs Leben zu investieren noch Stunden an wertvoller Zeit um ein paar wenige auszusuchen. Mit einem MSCI World ETF geht’s viel einfacher und dafür hast du langfristig höchstwahrscheinlich eine höhere Rendite bei weniger Risiko.

Fazit: Machen wir es doch wie John C. Bogle:

John C. Bogle: Suchen Sie nicht nach der Stecknadel – kaufen Sie lieber gleich den ganzen Heuhaufen.

Ich liebe es, den Heuhaufen zu kaufen 😉 Die Suche nach Stecknadeln ist mir persönlich mittlerweile viel zu aufwendig.


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