Inhalt
Viele, die zu mir ins Coaching kommen, wundern sich: Der Finanz-Coach baut Bio-Gemüse an, vermietet einen Gutshof und investiert selbst nur in einen einzigen ETF. Wie passt das zusammen?
Ganz einfach: Es folgt alles denselben Grundsätzen. Die habe ich mir nicht ausgedacht, sondern über 25 Jahre zusammengesammelt – manche davon ziemlich teuer.
1. Beständigkeit gewinnt
Wenn ich heute finanziell gut dastehe, dann nicht wegen eines genialen Investments. Sondern weil ich immer viel gespart und investiert habe. Jeden Monat, auch wenn es wenig war, auch wenn die Börse gerade schlecht lief.
Das klingt unspektakulär. Ist es auch. Aber genau darin liegt der Trick: Wer jahrzehntelang beständig spart und investiert, braucht kein Glück und keinen guten Riecher. Die Zeit erledigt den Rest.
Was das für dich heißt: Fang an, auch mit kleinen Beträgen – und hör nicht auf. Ein ETF-Sparplan macht das fast von selbst.
2. Kaufe nichts, was du nicht verstehst
Mein größter Fehler: Ich bin einmal über einen „Freund“ in ein Pyramidensystem geraten. Das war 2004, ich war 21. Es nannte sich VIP International und versprach über Devisenhandel ein „Profit Sharing“: das Achtfache des Einsatzes nach vier Monaten. Es klang gut, und der, der es mir empfohlen hat, war ja ein Freund.
Ich habe 3.745 € eingezahlt. Dann ist das System zusammengebrochen. Über das Ausgleichsverfahren kam bis 2013 ein Teil zurück, unterm Strich habe ich 1.850 € verloren. Für mich war das damals viel Geld – und die beste Lektion, die ich je bezahlt habe.
Seitdem gilt für mich eine einfache Regel mit zwei Teilen:
- Kaufe nichts, was du nicht verstehst. Wenn du es nicht in zwei Sätzen erklären kannst, lass die Finger davon.
- Misstraue unnatürlich hohen Renditen. Wer dir deutlich mehr verspricht als der Aktienmarkt, verschweigt dir etwas – meistens das Risiko.
Was das für dich heißt: Je besser ein Angebot klingt und je mehr Druck dabei gemacht wird, desto genauer solltest du hinschauen. Und „ein Freund hat es mir empfohlen“ ist keine Prüfung.
3. Verluste nicht aus Stolz aussitzen
Bevor ich auf ETFs umgestiegen bin, habe ich Einzelaktien gekauft. Einige davon lagen deutlich im Minus – zum Beispiel die Lenzing AG. Statt sie früh zu verkaufen und das Geld in einen ETF umzuschichten, habe ich sie viel zu lange gehalten. Ich wollte warten, bis sie sich erholen. Sie haben es nicht getan. Verkauft habe ich Lenzing erst 2026.
Der Fehler war nicht der Kauf. Der Fehler war, dass ich mir den Verlust nicht eingestehen wollte. Die Frage ist nie „Was habe ich bezahlt?“, sondern „Würde ich das heute noch kaufen?“
Was das für dich heißt: Wenn du ein Investment nur noch hältst, weil du auf den Einstandskurs wartest, ist das kein Plan, sondern Hoffnung.
4. Einfach investieren – mit ETFs
Meine Altersvorsorge mache ich heute hauptsächlich über ETFs und über meine alten Aktienbestände. Neues Geld fließt in einen einzigen ETF: einen nachhaltigen MSCI World. Mein Depot liegt seit 2010 bei flatex, weil mir die Gebühren bei der Hausbank zu viel Rendite gekostet haben.
Warum nur ein ETF? Weil ich dann nichts umschichten, nichts ausbalancieren und nichts entscheiden muss, wenn die Börse schwankt. Und weil sich ein Index selbst reinigt: Unternehmen, die schwächeln, fallen bei den regelmäßigen Überprüfungen hinaus, aufstrebende kommen hinein. Vor Kursrückgängen schützt das nicht – in einer Krise fällt auch der ETF. Aber ich bleibe nicht auf einzelnen Firmen sitzen, die sich nicht mehr erholen. Genau das ist mir mit Lenzing passiert.
Was das für dich heißt: Für die Altersvorsorge brauchst du keine zehn Produkte. Wie das konkret geht, steht in Was ist ein ETF?
5. Sachwerte können mehr bringen – aber sie sind Arbeit
Ein Teil unseres Geldes steckt nicht in Wertpapieren, sondern im Gutshof zum Wurzgarten – also in der Vermietung – und im Wurzgarten, unserem Bio-Gemüsebetrieb. Solche Sachwert-Investitionen können eine gute Rendite bringen, oft eine deutlich höhere als ein ETF.
Aber sie haben einen Preis, den man in keiner Renditeberechnung sieht: Arbeit. Gerade in der Landwirtschaft sehe ich jeden Tag, wie schwer man arbeiten muss, um auch nur annähernd so viel zu verdienen wie in der Privatwirtschaft. Das hat meinen Blick auf Geld verändert. Ich habe heute noch mehr Respekt vor jedem Euro, der hart verdient ist – und vor jedem, der in einer schlechten Geldanlage einfach verschwindet.
Für mich passt beides zusammen: Der ETF ist die ruhige Basis, die ohne mich funktioniert. Die Betriebe sind das, wo ich selbst etwas aufbaue.
Was das für dich heißt: Eine Immobilie oder ein eigener Betrieb kann sich lohnen. Rechne aber deine eigene Arbeitszeit ehrlich mit – und halte eine größere Reserve, weil immer wieder Investitionen anfallen.
6. Genug ist auch ein Ziel
Früher hatte ich ein klares Ziel: eine Million Euro mit 50. Das wird wahrscheinlich knapp 😉
Wichtig ist mir diese Zahl aber nicht mehr, weil ich gemerkt habe, dass es um etwas anderes geht. Heute bin ich finanziell vollständig abgesichert und selbständig. Ich mache, was mir Spaß macht, und ich darf jeden Tag viel Zeit mit meinen Kindern verbringen.
Das ist für mich der eigentliche Zweck von Vermögen: Freiheit. Nicht eine bestimmte Zahl am Konto.
Was das für dich heißt: Überleg dir, wofür du das Geld eigentlich willst. Wer das weiß, investiert gelassener – und weiß, wann es genug ist. Mehr dazu in Wofür Vermögen?
7. Was ich meinen Kindern mitgeben will
Wenn meine Kinder nur drei Dinge über Geld lernen, dann diese:
- Sparen lernen. Nicht alles ausgeben, was hereinkommt.
- Investor werden. Das Gesparte arbeiten lassen, statt es am Sparbuch liegen zu lassen.
- In Geschäftsmöglichkeiten denken. Sich fragen: Wie kann man Geld verdienen? Wo gibt es ein Problem, das jemand gelöst haben will?
Das Dritte lernt man in keiner Schule. Ich hoffe, sie lernen es am Gutshof und im Wurzgarten.
Kurz zusammengefasst
- Beständig sparen und investieren schlägt jedes geniale Investment.
- Kaufe nichts, was du nicht verstehst – und misstraue zu hohen Renditen.
- Gestehe dir Verluste ein, statt sie auszusitzen.
- Für die Altersvorsorge reicht ein einfacher, breit gestreuter ETF.
- Sachwerte können mehr bringen, kosten aber Arbeit und brauchen Reserven.
- Überleg dir, wann es genug ist.
Wenn du deine eigene Geldphilosophie einmal mit jemandem durchdenken willst, der dir nichts verkauft: Dafür gibt es mein Coaching.
Dein Johann
Allgemeine Information, keine Anlageberatung. Geldanlage ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals; frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige. Links mit „Partnerlink“ bringen mir eine Vergütung. Mehr dazu
