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Selbständige · Gewinnfreibetrag

Gewinnfreibetrag 2026: Letzte Chance mit Wertpapieren

Als Selbständige:r kannst du mit dem Gewinnfreibetrag Einkommensteuer sparen. 2026 ist vorerst das letzte Jahr, in dem dafür auch Wertpapiere zählen. Hier steht, was gilt und worauf du bis zum Jahresende achten solltest.

Veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert am 8 Minuten Lesezeit7 Kommentare
Johann Kofler-Mair
Johann Kofler-Mair
unabhängiger Finanz-Coach

Grundfreibetrag

4.950 €

15 % bis 33.000 € Gewinn, ohne Investition

Insgesamt höchstens

46.400 €

steuerfrei je Jahr

Wertpapiere letztmalig

31.12.2026

danach bis 2029 nur Sachinvestitionen

Inhalt
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Wer den Gewinnfreibetrag nutzen kann
  3. So hoch ist der Gewinnfreibetrag 2026
  4. Neu: Wertpapiere nur noch 2026
  5. Welche Wertpapiere begünstigt sind
  6. Behaltefrist, Verzeichnis und Steuer
  7. Worauf du bei Bank oder Broker achten solltest
  8. Was es bei einem Online-Broker konkret kostet
  9. Fazit | Lohnt sich das 2026 noch?
  10. Schritt für Schritt bis zum 31.12.2026
  11. Quellen

Das Wichtigste in Kürze

  • Den Grundfreibetrag von 15 % auf die ersten 33.000 € Gewinn bekommst du automatisch – ohne etwas zu investieren.
  • Für Gewinn über 33.000 € gibt es den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag: Du musst im selben Jahr investieren, in neue Anlagegüter oder begünstigte Wertpapiere.
  • 2026 zählen Wertpapiere zum letzten Mal. Für die Wirtschaftsjahre 2027 bis 2029 sind nur noch Sachinvestitionen begünstigt.
  • Begünstigte Wertpapiere musst du 4 Jahre im Betrieb halten, sonst wird nachversteuert. Aktien-ETFs gehören nicht dazu.

Wer den Gewinnfreibetrag nutzen kann

Den Gewinnfreibetrag nach § 10 EStG bekommen natürliche Personen mit betrieblichen Einkünften: Selbständige und freie Berufe, Gewerbetreibende sowie Land- und Forstwirt:innen. Es ist egal, ob du mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Bilanz arbeitest.

Wer pauschaliert – auch mit der Kleinunternehmerpauschalierung –, bekommt nur den Grundfreibetrag. Der investitionsbedingte Teil steht dann nicht zu.

So hoch ist der Gewinnfreibetrag 2026

Gewinnanteil Freibetrag Höchstens
bis 33.000 € 15 % Grundfreibetrag, ohne Investition 4.950 €
33.000 € bis 178.000 € 13 %, nur mit Investition 18.850 €
178.000 € bis 353.000 € 7 %, nur mit Investition 12.250 €
353.000 € bis 583.000 € 4,5 %, nur mit Investition 10.350 €
über 583.000 € kein Freibetrag –
Summe 46.400 €

Der investitionsbedingte Freibetrag ist höchstens so hoch wie das, was du tatsächlich investierst.

Rechner

Wie viel bringt dir der Gewinnfreibetrag 2026?

Grundfreibetrag (automatisch)
4.950 €
Investitionsbedingter Freibetrag
3.510 €
Dafür bis 31.12.2026 investieren
3.510 €
Steuerfrei insgesamt
8.460 €
Davon Steuerersparnis durch die Investition, ungefähr
1.404 €

Vereinfachte Rechnung nach § 10 EStG (Stand 2026), ohne Sozialversicherung und ohne Pauschalierung. Den genauen Betrag stimmst du mit deiner Steuerberatung ab.

Beispiel: 60.000 € Gewinn im Jahr 2026

Rechenbeispiel
Grundfreibetrag: 15 % von 33.000 €
4.950 €
Investitionsbedingt: 13 % von 27.000 €
3.510 €
Dafür nötige Investition bis 31.12.2026
3.510 €
Steuerfrei insgesamt
8.460 €

Bei einem Grenzsteuersatz von rund 40 % bringt der investitionsbedingte Teil etwa 1.400 € weniger Einkommensteuer. Vereinfachte Rechnung, ohne Sozialversicherung.

Neu: Wertpapiere nur noch 2026

Mit dem Budgetbegleitgesetz 2027–2028 hat der Nationalrat im Juli 2026 den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag eingeschränkt. Für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2026 und vor dem 1.1.2030 beginnen, zählen nur noch neue, abnutzbare körperliche Anlagegüter mit mindestens 4 Jahren Nutzungsdauer – keine Wertpapiere.

Was du schon gekauft hast, bleibt begünstigt. Die 4-Jahres-Frist läuft normal weiter. Nach derzeitigem Gesetz sollen Wertpapiere ab 2030 wieder zählen.

Welche Wertpapiere begünstigt sind

Begünstigt sind Wertpapiere, die auch Pensionsrückstellungen decken dürfen (§ 14 Abs. 7 Z 4 EStG). Das sind vor allem auf Euro lautende Anleihen und Fonds, die überwiegend in solche Anleihen investieren. Banken und Fondsgesellschaften bieten sie oft als „Gewinnfreibetrags-Fonds“ oder „§ 14-Fonds“ an. Reine Aktienfonds und Aktien-ETFs gehören nicht dazu.

Grob gibt es diese Arten, von wenig zu mehr Schwankung:

  1. Geldmarktfonds
  2. Anleihenfonds (z. B. Staatsanleihen des Euroraums)
  3. Mischfonds mit überwiegend Anleihen
  4. Offene Immobilienfonds

Für 4 Jahre Anlagedauer sind starke Kursschwankungen unangenehm, weil du am Ende der Frist vielleicht nicht verkaufen willst. Achte deshalb vor allem auf Risiko und Kosten. Mehr zu den einzelnen Anlagearten findest du in meinen Beiträgen zu Staatsanleihen und Online-Sparbuch, Unternehmensanleihen und Mischfonds.

Behaltefrist, Verzeichnis und Steuer

  • 4 Jahre halten: 48 Monate ab Anschaffung, tagegenau. Verkaufst du früher, wird der Freibetrag nachversteuert. Ausnahmen gibt es etwa bei höherer Gewalt.
  • Tilgung vor Ablauf: Wird eine Anleihe vorzeitig getilgt, kannst du innerhalb von zwei Monaten ein anderes begünstigtes Wertpapier kaufen. Die Frist läuft dann weiter.
  • Eigenes Verzeichnis: Für die Wertpapiere führst du ein gesondertes Verzeichnis und legst es dem Finanzamt auf Verlangen vor. Ein eigenes Depot oder Unterdepot macht das einfacher.
  • Steuererklärung: Kennzahl 9229 für Wertpapiere, 9227 für Anlagegüter; der Grundfreibetrag steht unter 9221.
  • Erträge: Gewinne aus den Wertpapieren unterliegen der KESt von 27,5 %, im Betriebsvermögen aber ohne Endbesteuerung.

Worauf du bei Bank oder Broker achten solltest

Ob über die Hausbank oder einen Online-Broker: Die Kosten entscheiden, wie viel vom Steuervorteil übrig bleibt.

  • Ausgabeaufschlag: Bei Fonds der Hausbank oft bis zu 5 %. Online-Broker geben häufig einen Rabatt darauf, über die Börse fällt er meist weg.
  • Laufende Kosten des Fonds (TER): Sie fallen jedes der 4 Jahre an.
  • Depotgebühr und Kontoführung: Bei klassischen Banken oft rund 0,3 % im Jahr, bei Online-Brokern meist gering oder null.
  • Auswahl: Viele Banken bieten nur eigene Fonds an. Eine breite Auswahl erlaubt einen echten Vergleich.
  • Steuereinfach: Ein österreichisches, steuereinfaches Depot führt die KESt automatisch ab.

Bei 10.000 € Anlage machen 5 % Ausgabeaufschlag und 0,3 % Depotgebühr über 4 Jahre zusammen rund 600 € aus. Das ist ein großer Teil des Steuervorteils.

Was es bei einem Online-Broker konkret kostet

Ich habe im Oktober 2026 nachgesehen, welche begünstigten Fonds man bei den steuereinfachen Online-Brokern ohne Depotgebühr kaufen kann. Trade Republic führt keinen davon. Bei flatex sind 24 der 30 Fonds-Tranchen aus meiner Vorauswahl erhältlich. Scalable Capital ist seit 8.10.2026 für Neukunden steuereinfach und handelt Fonds über die Börse gettex. Dort sind 17 der 30 Tranchen gelistet. Ob Scalable sie alle anbietet, kann ich erst nach der Kontoeröffnung prüfen.

Die Kosten habe ich in der Kosteninformation der flatex-Ordermaske abgelesen, ohne eine Order abzuschicken. Gekauft wird dabei auf einem dieser zwei Wege:

  • Über die Börse (z. B. Tradegate, gettex): laut flatex-Preisliste ab 5,90 € je Order plus Börsenentgelt, auf gettex zusammen ab rund 7 €. In meinem eigenen, älteren Konto zeigte die Kosteninformation 9,90 € (Tradegate) bis rund 11 € (gettex). Dazu kommt die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs: bei kurzlaufenden Fonds 0,2 bis 0,4 %, bei Mischfonds 1 bis 1,5 %. Ein Ausgabeaufschlag fällt nicht an.
  • Über die Fondsgesellschaft: laut Preisliste mit 50 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag; die Kosteninformation in meinem Konto zeigte den vollen Aufschlag. Das Verkaufen kostet nichts.
  • Neukunden bekommen bei flatex derzeit 20 Trades ohne Ordergebühr (zzgl. marktüblicher Spreads, Zuwendungen und Produktkosten).

Die Spanne wird leicht übersehen, ist bei Mischfonds aber der größte Teil der Kaufkosten. Bei Fonds ohne oder mit sehr kleinem Ausgabeaufschlag ist die Fondsgesellschaft billiger, sonst meist die Börse.

Zwei Typen: Sicherheit oder Vorsorge

  • Sicherheit: Du verkaufst nach 4 Jahren und willst nur den Steuervorteil. Dann zählt, dass der Fonds kaum schwankt und wenig kostet.
  • Vorsorge: Du legst länger an, verkaufst nach 4 Jahren und steckst das Geld in einen breit gestreuten Aktien-ETF. Dann darf der Fonds zwischendurch schwanken, und es zählt die Rendite nach Kosten.
Typ Fonds (Tranche) Weg Kosten in 4 Jahren bei 10.000 € Rendite p. a. 3 J / 5 J Größter Verlust
Sicherheit Schoellerbank Kurzinvest (A) Fondsgesellschaft rund 200 € 3,4 % / 2,5 % 4,5 %
Sicherheit IQAM ShortTerm EUR (RA) Tradegate rund 280 € 3,5 % / 2,0 % 4,9 %
Vorsorge Kepler Vorsorge Mixfonds (A) gettex rund 600 € 10,8 % / 3,8 % 30 %
Vorsorge Schoellerbank Global Pension Fonds (A) gettex rund 650 € 7,6 % / 2,1 % 26 %

Kosten in 4 Jahren = Kauf- und Verkaufskosten bzw. Ausgabeaufschlag + 4 × laufende Fondskosten, gerechnet mit den höheren Werten aus meinem Konto (obere Grenze). Sicherheit gereiht nach Kosten, Vorsorge nach Rendite abzüglich Kauf- und Verkaufskosten. Renditen und größter Verlust laut fondsweb, Stand 23.10.2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Investieren birgt Verlustrisiken. Das ist eine Übersicht nach Kennzahlen, keine Empfehlung. Alle Angaben ohne Gewähr, maßgeblich sind die Informationen des jeweiligen Anbieters (flatex-Preisliste, Stand 23.10.2026).

Alle 30 Tranchen meiner Vorauswahl mit Kosten bei Bank und flatex, Schwankung und Rendite findest du zum Filtern und Sortieren im Gewinnfreibetrag-Kompass 2026 – zusammen mit Rechner, Checkliste und dem Verzeichnis fürs Finanzamt.

Warum keine Anleihenfonds? Sie haben seit 2022 zeitweise zwischen 12 und 22 % verloren und über 5 Jahre im Schnitt sogar leicht verloren (rund −1 % im Jahr). Für „Sicherheit“ schwanken sie zu stark, für „Vorsorge“ bringen sie zu wenig. Offene Immobilienfonds lasse ich aus einem ähnlichen Grund weg: laufende Kosten ab 1,5 % im Jahr bei höchstens rund 2 % Rendite.

Fazit | Lohnt sich das 2026 noch?

Meist ja, wenn du ohnehin Geld für ein paar Jahre parken kannst und die Kosten niedrig hältst. Der Steuervorteil ist sicher, die Rendite der Wertpapiere nicht. Eine sinnvolle Sachinvestition, die du sowieso brauchst, ist oft die bessere Wahl. Ab 2027 bleibt ohnehin nur sie.

Schritt für Schritt bis zum 31.12.2026

  1. Gewinn 2026 hochrechnen, am besten mit deiner Steuerberatung.
  2. Investitionsbedingten Freibetrag berechnen (Tabelle oben).
  3. Sachinvestitionen prüfen, die du ohnehin vorhast.
  4. Betrag für Wertpapiere festlegen – nur den Rest, der noch fehlt.
  5. Depot oder Unterdepot für die Gewinnfreibetrags-Wertpapiere einrichten.
  6. Begünstigte Fonds oder Anleihen vergleichen: Risiko, laufende Kosten, Ausgabeaufschlag.
  7. Rechtzeitig kaufen, nicht erst in der letzten Dezemberwoche.
  8. Verzeichnis anlegen und die Kaufabrechnung aufheben.

Alle Schritte als Checkliste und das Verzeichnis als fertige Vorlage stecken im Gewinnfreibetrag-Kompass 2026. Wenn du dabei Unterstützung willst, gehen wir die Schritte im Coaching gemeinsam durch. Fragen kannst du mir auch gerne als Kommentar hinterlassen.

Viel Erfolg beim Steuersparen.

Dein Johann

Quellen

Allgemeine Information, keine Anlageberatung. Geldanlage ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals; frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige. Links mit „Partnerlink“ bringen mir eine Vergütung. Mehr dazu

Fragen von Leserinnen und Lesern

Aus der früheren Kommentarfunktion – nur zum Lesen.

Stephan Huber19.12.2023

Hallo Johann,
sie die Fondsempfehlungen des Pakets aus dem Jahr 2022 gleich/ähnlich wie zu dem heurigen Jahr 2023 oder gibt es neue Empfehlungen?
lg stephan

JohannKapitalmeister19.12.2023

Hallo Stephan,
danke für deine Frage. Die Empfehlungen sind die gleichen. LG, Johann

Stephan Huber19.12.2023

DAnke, dann schau ich mir das gekaufte Paket von 2022 nochmals an:) Vielen Dank!!

Stefan23.10.2022

Hallo Johann!

Sind die Fondsempfehlungen aus dem 2021er Paket auch für 2022 aktuell oder wirst Du neue Empfehlungen publizieren?

LG Stefan

JohannKapitalmeister24.10.2022

Lieber Stefan,
ich habe heute nachrecherchiert und die Fondsempfehlungen bleiben die selben. Habe die Renditen im Paket bereits upgedatet.
Bei Fragen kannst du dich sehr gerne melden.
LG,
Johann

Roman20.10.2022

Lieber Johann,
Danke für den umfangreichen Beitrag. Also kann man auf Flatex wirklich ein Depot als Einzelunternehmer eröffnen und dann solch einen Fonds kaufen der für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag in Frage kommt? Ich hatte gerade 2-3 solcher Fonds gesucht auf Flatex aber nicht gefunden.
Wahrscheinlich steht im (kostenpflichtigen) Bericht welcher Fonds auch bei Flatex ist 😛

JohannKapitalmeister21.10.2022

Lieber Roman,
ja genau. Jene, die ich empfehle, kann man auch wirklich kaufen. Und bei meinem Produkt, zeige ich auch, wie du kaufen kannst.
Viel Erfolg.
LG,
Johann