ETF & Vermögensaufbau · Broker

Welcher Online-Broker passt für ETF-Anleger in Österreich?

Welcher Broker ist der richtige? Diese Frage höre ich im Coaching fast jede Woche. Hier rechne ich für vier typische Fälle nach, was dich ein steuereinfacher Broker über 10 und 20 Jahre in Euro kostet – und welcher Weg für wen passt.

Veröffentlicht am 12 Minuten LesezeitEnthält Partnerlinks
Johann Kofler-Mair
Johann Kofler-Mair
unabhängiger Finanz-Coach

Unterschied unter den günstigen

unter 500 €

200 € Sparplan, 20 Jahre

Teure Banken, 1.000 € Sparplan

bis 7.800 €

über 20 Jahre

Broker mit KESt-Abfuhr

9 verglichen

alle steuereinfach

Inhalt
  1. Kurz gesagt | Drei Wege, die für die meisten passen
  2. Vier Fälle, nachgerechnet
  3. Rechne deinen eigenen Fall
  4. Ein Depot oder mehrere?
  5. Was der Rechner nicht zeigt
  6. Meine Methode, offengelegt
  7. Fazit | Teure Banken meiden, dann passt fast jeder
  8. Quellen

Welcher Broker ist der richtige? Diese Frage höre ich im Coaching fast jede Woche. Und ehrlich gesagt war ich selbst überrascht, wie klein die Unterschiede unter den günstigen Anbietern inzwischen sind – und wie groß sie zu den teuren noch immer sind.

Mein erstes Depot hatte ich ab 2001 bei der Raiffeisenbank. 2010 bin ich zu flatex gewechselt, seit etwa 2024 läuft zum Testen ein Sparplan bei Trade Republic. Ich kenne also beide Seiten: die Hausbank und die Online-Broker.

In diesem Beitrag geht es um eine Frage: Was kostet dich ein Broker, wenn du langfristig in ETFs investierst? Per Sparplan oder mit einer Einmalanlage, über 10 und 20 Jahre. Ich vergleiche nur Broker, die die KESt für dich abführen (steuereinfach). Wie ein Depot funktioniert und welche Broker es gibt, steht in meinem Beitrag Wertpapierdepot in Österreich.

Ganz generell spiegelt dieser Beitrag meine persönliche Meinung wider. Eine Empfehlung für deine Situation gibt es im Coaching.

Kurz gesagt | Drei Wege, die für die meisten passen

Unter den günstigen Brokern liegen nach 20 Jahren nur ein paar hundert Euro. Viel wichtiger ist, die teuren zu meiden.

Für die meisten passt einer dieser drei Wege:

  1. Möglichst einfach, auch mit kleinen Beträgen: Trade Republic oder Scalable Capital. Sparplan ab 1 € ohne Gebühr, Einmalkauf um 1 €, Bruchstücke. Dafür nur ein Depot pro Person und kein Gemeinschaftsdepot.
  2. Mehrere Depots oder ein Gemeinschaftsdepot: flatex. Bis zu fünf Depots, z. B. eines für ETFs, eines für Aktien und eines je Kind. Sparpläne für über 600 ETFs ohne Ausführungsgebühr, sonst 1,50 €, keine Depotgebühr.
  3. Eine österreichische Bank mit österreichischer Einlagensicherung: easybank mit einem ETF der Starpartner, DADAT mit einem Aktions-ETF – oder George, wenn du schon bei der Erste bist und unter 50.000 € im Depot hast. Depot eröffnen: easybankPartnerlink, DADATPartnerlink

Wovon ich für einen ETF-Sparplan abrate: bank99, Bank Direkt und die Raiffeisen-Depots. Dort kostet ein Sparplan von 1.000 € im Monat über 20 Jahre 6.000 bis 7.800 €.

Vier Fälle, nachgerechnet

Nehmen wir an, wir starten im Jänner 2027 und kaufen immer denselben breit gestreuten ETF. Gezählt sind alle Gebühren des Brokers inklusive Umsatzsteuer: Ausführung, Kauf, Depotgebühr und Kontoführung. Damit ich keine Rendite unterstelle, bleibt der Depotwert gleich der Summe der Einzahlungen. Mit Wertzuwachs wären prozentuelle Depotgebühren höher.

1 | Sparplan 100 € und 1.000 € im Monat

Broker 100 €, 10 Jahre 100 €, 20 Jahre 1.000 €, 10 Jahre 1.000 €, 20 Jahre
Trade Republic 0 € 0 € 0 € 0 €
Scalable Capital 0 € 0 € 0 € 0 €
flatex, ETF aus der Gratis-Auswahl 0 € 0 € 0 € 0 €
easybank, ETF der Starpartner 0 € 0 € 0 € 0 €
DADAT, Aktions-ETF 100 € 200 € 100 € 200 €
Erste George 120 € 240 € 638 € 3.696 €
easybank, anderer ETF 150 € 300 € 150 € 300 €
flatex, anderer ETF 180 € 360 € 180 € 360 €
DADAT, anderer ETF 211 € 422 € 400 € 800 €
Raiffeisen NÖ-Wien 289 € 826 € 2.484 € 7.848 €
Bank Direkt 329 € 792 € 3.192 € 7.824 €
bank99 356 € 886 € 2.281 € 6.290 €

Was mir auffällt:

  • Fixe Gebühren je Ausführung (flatex 1,50 €, easybank 1,25 €, Erste 1 €) sind bei 100 € und bei 1.000 € gleich hoch. Bei kleinen Raten sind sie spürbar, bei großen kaum.
  • Prozentuelle Gebühren wachsen mit. Bei bank99 (0,99 % je Rate), Bank Direkt (rund 2 %) und Raiffeisen (0,75 %) kommt eine Depotgebühr dazu, die jedes Jahr auf den ganzen Bestand fällt.
  • Erste George verlangt bis 50.000 € Depotwert keine Depotgebühr, darüber schon. Mit 1.000 € im Monat bist du nach gut vier Jahren drüber.

2 | Einmalanlage 5.000 € und 10.000 €

Broker Kauf 5.000 € 5.000 €, 20 Jahre Kauf 10.000 € 10.000 €, 20 Jahre
Scalable Capital (Börse Hannover) 0,99 € 0,99 € 0,99 € 0,99 €
Trade Republic 1,00 € 1,00 € 1,00 € 1,00 €
flatex (Xetra) 11,88 € 11,88 € 11,88 € 11,88 €
Erste George 13,49 € 13,49 € 22,99 € 22,99 €
DADAT (gettex) 6,50 € 206,50 € 11,50 € 211,50 €
easybank (Xetra) 17,45 € 137,45 € 17,45 € 257,45 €
Bank Direkt 17,70 € 137,70 € 25,45 € 265,45 €
Raiffeisen NÖ-Wien 37,50 € 373,50 € 75,00 € 555,00 €
bank99 15,99 € 445,11 € 27,99 € 601,11 €

Bei der Einmalanlage ist der Kauf selbst fast überall billig. Was über die Jahre zählt, sind Depot- und Kontogebühren:

  • DADAT hat ab 1.1.2027 keine Depotgebühr mehr, verrechnet aber 2,50 € im Quartal für das Verrechnungskonto.
  • easybank verzichtet seit 1.10.2026 auf die Depotgebühr nur für ETFs aus einem Sparplan. Ein einmal gekaufter ETF kostet 0,10 % im Jahr plus USt, mindestens 4,50 € plus USt.
  • Der Verkauf am Ende kostet dich noch einmal ungefähr so viel wie der Kauf. Den habe ich weggelassen, weil du ihn vielleicht nie auf einmal machst.

Zum Vergleich: die Kosten des ETFs selbst

Ein ETF mit 0,20 % laufenden Kosten (TER) kostet bei 100 € im Monat über 20 Jahre rund 500 €, bei 1.000 € im Monat rund 5.000 €, und bei 10.000 € Einmalanlage rund 400 € – auch hier ohne Wertzuwachs gerechnet. Das ist bei allen günstigen Brokern mehr als die Broker-Gebühr. Wer einen günstigen Broker hat, spart mehr beim ETF als beim Broker.

Rechne deinen eigenen Fall

Rechner

Was kostet dich der Broker in Euro?

Trade Republic
0 €

Zum Vergleich: 0,20 % TER kosten in dieser Zeit rund 1.008 €.

Gebühren laut Preisblättern, Stand 27.10.2026, inklusive USt. Ohne Wertzuwachs, ohne Spreads, ohne Neukunden-Aktionen und ohne Verkauf. Mindestraten: easybank 50 €, bank99 30 €, Raiffeisen 100 €.

Ein Depot oder mehrere?

Die Gebühr ist bei den günstigen Brokern kaum ein Unterschied. Ein anderer Punkt ist es sehr wohl: Kannst du dein Geld auf mehrere Depots aufteilen? Viele wollen das, zum Beispiel so:

  • ein Depot für die langfristige Geldanlage in ETFs,
  • ein Depot für einzelne Aktien,
  • ein Depot je Kind, mit einem eigenen ETF-Sparplan für jedes Kind.

So siehst du auf einen Blick, wie sich jeder Topf entwickelt. Du vermischst das Kindergeld nicht mit deinen eigenen Aktien, und du verkaufst im Ernstfall nicht versehentlich aus dem falschen Topf.

Broker Mehrere Depots Gemeinschaftsdepot
flatex bis zu 5 Depots mit eigenem Cashkonto, alle auf deinen Namen, z. B. eines je Kind gewidmet ja
DADAT ja, jedes Depot braucht aber ein eigenes Verrechnungskonto (2,50 € im Quartal) ja, nur als Neueröffnung, ein Inhaber lässt sich nicht nachträglich dazunehmen
easybank auf der Website nicht beschrieben, beim Kundenservice fragen; kein Kinderdepot ja, aber nicht steuereinfach
Erste George Generationendepot für Kinder und Enkel: läuft auf dich, geht frühestens mit 18 an das Kind für das Selfinvest-Depot auf der Website nicht beschrieben, in der Filiale fragen
Scalable Capital ein Depot, nur in Portfolio-Gruppen aufteilbar nein
Trade Republic ein Konto pro Person nein

Bei DADAT kostet jedes weitere Depot also 10 € im Jahr für das Verrechnungskonto. Bei flatex fällt dafür nichts an. Bei flatex kenne ich auch das Gemeinschaftsdepot aus eigener Erfahrung: Für meine Eltern habe ich dort ein Gemeinschaftsdepot eingerichtet. Wichtig bei allen Gemeinschaftsdepots: Verluste und Gewinne werden nicht automatisch gegengerechnet. Das holst du über die Steuererklärung nach.

Ein Depot, das du einem Kind widmest, läuft weiter auf deinen Namen. Das Geld gehört rechtlich dir, bis du es dem Kind übergibst. Für viele Eltern ist genau das gewollt.

Was der Rechner nicht zeigt

Spreads. Bei jedem Kauf zahlst du etwas mehr, als du beim sofortigen Verkauf bekommen würdest. Bei großen ETFs sind das laut Vergleichsseiten etwa 0,05 bis 0,3 %. Das trifft dich bei jedem Broker. Bei Trade Republic und Scalable ist der Spread allerdings die einzige Stelle, an der der Sparplan überhaupt etwas kostet. Bis Juni 2026 hat Trade Republic außerdem Geld vom Handelsplatz Lang & Schwarz bekommen. Seit 1. Juli 2026 ist das in der EU verboten.

Zinsen aufs Guthaben. Trade Republic zahlt Zinsen aufs Verrechnungskonto, flatex, easybank und DADAT zahlen 0 %. Für Langfrist-Anleger mit einem Sparplan ist das zweitrangig – das Geld liegt ja nicht lange dort.

Einlagensicherung. Sie betrifft nur das Bargeld auf dem Konto, bis 100.000 € je Person und Bank. Deine ETFs sind Sondervermögen und gehören auch bei einer Pleite des Brokers dir. Bei Trade Republic, Scalable und flatex greift die deutsche Einlagensicherung, bei easybank, DADAT, Erste, bank99 und Raiffeisen die österreichische.

Wechsel. Ein Depotübertrag weg vom Broker kostet je Position zwischen 15,90 € (flatex) und 30 € plus USt (Erste). Bei Trade Republic werden Bruchstücke beim Übertrag verkauft. Wer von bank99, Bank Direkt oder Raiffeisen kommt, holt das aber schnell wieder herein.

Meine Methode, offengelegt

Ich vergebe keine Sterne und keine Noten. Eine Note sagt dir nicht, was der Broker in deinem Fall kostet, und auf vielen Vergleichsseiten erfährst du nicht, wie die Note zustande kommt. Deshalb rechne ich in Euro.

  • Auswahl: Broker und Banken, die in Österreich ein steuereinfaches Depot anbieten und einen ETF-Sparplan haben.
  • Stichtag: 27. Oktober 2026, abgelesen in den Preisblättern der Anbieter. Bei Bank Direkt ist auf der Website nur das Preisblatt vom Juni 2025 verlinkt.
  • Annahmen: Start Jänner 2027, ohne Wertzuwachs, Depotwert gleich der Summe der Einzahlungen. Ohne Spreads, ohne Neukunden-Aktionen, ohne Verkauf. Umsatzsteuer eingerechnet.
  • Reihenfolge: nur nach den Kosten in Euro. flatex ist mein eigener Broker; eine aktive Partnerschaft habe ich derzeit nicht. Zu easybank und DADAT führen Partnerlinks. Eine Provision ändert die Reihenfolge nicht.

Die Zahlen sind gerundet. Rechne mit deinem Betrag im Rechner oben nach, bevor du entscheidest.

Fazit | Teure Banken meiden, dann passt fast jeder

  1. Unter den günstigen Brokern sind die Unterschiede klein. Bei 200 € im Monat liegen nach 20 Jahren weniger als 500 € dazwischen.
  2. Zu den teuren ist der Abstand groß. Bei 1.000 € im Monat zahlst du bei bank99, Bank Direkt oder Raiffeisen über 20 Jahre 6.000 bis 7.800 € an Gebühren.
  3. Die Wahl hängt an deinen Fragen, nicht an der Gebühr: Willst du mehrere Depots, etwa eines je Kind, ein Gemeinschaftsdepot, eine österreichische Bank oder einfach eine App für kleine Beträge?

Für die meisten passt ein Broker, der den ETF-Sparplan ohne Ausführungsgebühr anbietet und keine Depotgebühr verlangt. Danach entscheiden deine eigenen Wünsche, nicht ein Ranking.

Wenn du Fragen hast, schreib sie mir gern in die Kommentare.

Viel Erfolg beim Investieren. Dein Johann

Quellen

  • Trade Republic: Kundenvereinbarung Österreich, Stand 9/2026; Preise auf traderepublic.com, abgerufen 23.10.2026. Payment for Order Flow: startbase.de und reisetopia.de, Mitte 2026.
  • Scalable Capital: Factsheet Österreich, Stand August 2026; at.scalable.capital/en/trading-costs, abgerufen 23.10.2026.
  • flatex: flatex.at/preise und Preis- und Leistungsverzeichnis gültig ab 24.8.2026, abgerufen 27.10.2026.
  • easybank: Preisblatt easy flat Depot gültig ab 1.10.2026; easybank.at/easybank/preise, abgerufen 27.10.2026.
  • DADAT: Konditionenblatt Stand Oktober 2026 und FAQ auf dad.at, abgerufen 27.10.2026.
  • Erste Bank: Konditionenblatt Selfinvest, Fassung Mai 2026.
  • bank99: Konditionenübersicht depot99, Stand Juli 2026.
  • Bank Direkt: Leistungs- und Preisblatt, Stand Juni 2025.
  • Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien: Konditionen für Privatkunden, Stand 21.10.2026.
  • Spreads: justetf.com und neuebanken.de, abgerufen 27.10.2026.
  • Rechnung: eigene Rechnung, 27.10.2026.

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