Geförderte Zukunftsvorsorge | Sie hält nicht, was sie verspricht!

Die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge macht in den ersten Jahren die Taschen eher leerer. Viele Prämien fließen in Form von Provisionen ab.

Dies ist der dritte Teil einer Serie von Blogartikeln über eine tatsächlich abgeschlossene, staatlich geförderte Zukunftsvorsorge mit Kapitalgarantie. Teil 1 beschäftigte sich mit der Analyse des Produkts und Teil 2 mit der Kündigung. Auch dieses Mal wird es wieder spannend. Ich werde zeigen, wie meine Zukunftsvorsorge aussieht und wie dieses staatlich geförderte Produkt im Vergleich zu meiner Empfehlung (mit einer hypothetischen Was-wäre-wenn-Betrachtung) abgeschnitten hätte.

Analyse & Kündigung | Wesentliche Erkenntnisse

Dieses Zukunftsvorsorge-Produkt wurde von meinem Klienten abgeschlossen, weil eine ordentliche Verzinsung und hohe staatliche Prämien (damals 9%, aktuell 4,25%) versprochen wurden. Es ist eine ehrenwerte Sache, wenn man schon sehr früh beginnt, für die eigenen Kinder Geld auf die Seite zu legen, denn der Zinseszinseffekt kommt mit den Jahrzehnten so richtig zur Geltung.

In den beiden Beiträgen habe ich aufgezeigt, dass die versprochenen Erträge – trotz der hohen staatlichen Prämien – leider nicht „erwirtschaftet“ wurden. Hier ein paar zentrale Kritikpunkte:

  1. Fehlende Transparenz
    • Welcher Anteil der monatlichen Prämien wurde und wird tatsächlich veranlagt?
    • Wie hoch sind die einmaligen Kosten (zB.: Provisionen für Finanzvermittler & Versicherungsunternehmen, Ausgabeaufschläge)?
    • Wie hoch sind die laufenden Kosten (z.B.: Bestandspflegeprovision, sonstige Kosten)?
  2. Äußerst bescheidene Erträge, welche die Inflation nicht decken
    • Die effektive Verzinsung nach 14 Jahren Anlagezeitraum beträgt nur 0,9% pro Jahr.
    • Die Kosten und Gebühren haben sämtliche Kapitalerträge aufgefressen.
    • Es bleibt nur noch die staatliche Prämie übrig, die leider nur einmalig auf die Prämie ausgezahlt wird.
  3. Die Kündigung führte zu weiteren Kosten
    • Der Nettoerlös war niedriger als die eingezahlten Prämien.
    • Die Versicherung hat auch die Hälfte der staatlichen Prämien einbehalten.
    • Es wurde eine Zusatzgebühr von 20 € in Rechnung gestellt, um die tatsächliche Prämienhöhe zu erfahren.

Die Details zu allen Kritikpunkten findest du in den beiden oben verlinkten Beiträgen.

Viele meiner Kunden stellen gerne folgende Frage: Soll ich den Vertrag nicht einfach laufen lassen? Wenn ich kündige, zahle ich weitere Gebühren? Meine Antwort ist immer so oder so ähnlich:

Wenn du möchtest, dass die Versicherung und der Vermittler jeden Monat einen saftigen Teil deiner Prämien erhält und du weiterhin in einen Fonds & Deckungsstock investieren möchtest, der dir auf das was übrig bleibt effektiv eine um 2% – 5% niedrigere Verzinsung bringt, dann kann man das machen. Ich persönlich nehme jedoch lieber einen Verlust von ein paar 100 € in Kauf um langfristig ein paar 1.000 € zu gewinnen.

Johann Kofler-Mair

Zukunftsvorsorge mit einem ETF | Die klügere Alternative

Ich verzichte lieber auf Produkte, bei denen eher Finanzvermittlung/Versicherung staatlich gefördert werden und lege einen ganz einfachen ETF-Sparplan auf den MSCI World in meinem Online-Depot an. Hier kann ich bereits ab 50 € pro Monat indirekt in über 1.600 der besten Unternehmen weltweit investieren.

Das schöne daran, niemand verdient mit und mein Geld wird mit den niedrigst möglichen Gebühren (< 0,3%) veranlagt. Ich kann den Sparplan selbst ganz flexibel und einfach erhöhen (oder zur Not auch aussetzen). Zudem schützt mich die Logik des Index. Schlechte Unternehmen werden von Aufsteigern verdrängt.

Wie funktioniert das? Hier die einfache Anleitung zur Geldanlage.

Was wäre wenn…

Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge vs. ETF Sparplan auf MSCI World

Grundsätzlich sind „Was-wäre-wenn-Analysen“ ziemlich sinnlos. Da es uns aber sehr schwer fällt, in Renditen und Effektivzinsen zu denken, habe ich eine weitere Analyse gemacht. Bei dieser vergleiche ich – auf Basis der tatsächlichen monatlichen Prämienzahlungen – die Performance der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge mit Kapitalgarantie mit der eines einfachen ETF-Sparplans auf den MSCI World Index mit Dividenden-Reinvestition.

Kapitalmeister-Vergleich: Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge vs. MSCI World ETF

Beschreibung des Diagramms

  • Blaue Linie: Der Anleger investiert Monat für Monat Prämien. Zu Beginn 20 € pro Monat und ab Mitte 2009 40 € pro Monat. Hier wird die Summe der bezahlten Prämien dargestellt. (20 € nach dem 1. Monat, 40 € nach 2 Monaten, 60 € nach 3 Monaten, … , 5.596 € per 30.04.2019)
  • Oranges Dreieck: Wert der Zukunftsvorsorge laut der letzten verfügbaren Polizzeninformation per 16.05.2018 (5.429 €). Auf dieser Basis wurde die effektive Rendite von 0,9 % errechnet und diese wiederum war ausschlaggebend für die Kündigung.
  • Rotes (liegendes) Kreuz: Tatsächlicher Nettoerlös (5.568 €) bei der Kündigung. Dies ist jener Betrag, den mein Klient auf sein Konto überwiesen bekam. Liegt relativ genau auf der blauen Linie.
  • Grüne Linie: Wertverlauf bei Investition in einen MSCI World ETF. Es wird angenommen, dass die Prämien zum jeweiligen Zeitpunkt in den ETF statt in die Zukunftsvorsorge investiert wurde. Die laufenden Gebühren wurden mit 0,3% eher hoch angesetzt. Per Ende April wären die Anteile an dem ETF 10.658 € wert gewesen.

Interpretation

Das Diagramm verdeutlicht sehr anschaulich, wie weit die Entwicklung des staatlich geförderten Produkts und des ETF auseinander klaffen.

In den letzten 14 Jahren gab es beim ETF-Investment zwei Zeiträume, bei denen der Wert der Anlage die eingezahlten Prämien unterschritten hatte (2008 – 2010; 2011) -> die grüne Linie lag unter der blauen Linie. Die besten Unternehmen der Welt (sind alle im MSCI World ETF) haben sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt und gute Gewinne erzielt. Als ETF-Investor konnte man hier gut mitverdienen. Es werden bestimmt wieder Wirtschafts- und Börsenkrisen mit bis zu 50% Wertverlust kommen. Als ETF-Investor mit einem Anlagehorizont von mehr als 10 Jahren sind die Krisen eine Chance und sorgen dafür, dass weitere Anteile günstig gekauft werden können.

Als Versicherungsnehmer des Produktes „staatlich geförderte Zukunftsvorsorge mit Kapitalgarantie“ braucht man nicht die Zeiträume zählen, bei denen die eingezahlten Prämien unterschritten wurden. Hier ist es sinnvoller, den Zeitraum zu betrachten, in welchem die Prämien überschritten wurden. Mangels Transparenz ist hier eine Schätzung nötig und ich denke, der positive Zeitraum beträgt maximal 2-3 Jahre. Übrigens: 40% des Kapitals der Zukunftsvorsorge – dass nicht in Form von Provisionen und Gebühren aufgegangen ist – ist auch in einem Aktienfonds – mit unterdurchschnittlicher Rendite – investiert. In einer Wirtschaftskrise fällt auch dieser.

Zwei interessante Zahlen, obwohl aus meiner Sicht das Diagramm schon mehr als genug sagt:

  • Mai 2018: Die ETF-Anteile wären um rund 63% mehr wert als die Zukunftsvorsorge
  • April 2019: Die ETF-Anteile wären um rund 91% mehr wert als die Zukunftsvorsorge

Zusammenfassung

Mit dieser dreiteiligen Ausarbeitung habe ich aufgezeigt, wo die Probleme des Produkts „Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge mit Kapitalgarantie“ liegen. Aus meiner Sicht wurde dieses Produkt falsch konstruiert, da eine Kapitalgarantie über einen langen Anlagehorizont immer nachteilig ist. Zudem ist es sehr schade, dass die Versicherungen keine Transparenz an den Tag legen. Der Preis eines Produkts sollte vor Abschluss jedem klar sein.

Finanziell betrachtet hätte der Kunde ohne Kündigung effektiv fast keine Verzinsung (~0,9%) gehabt und mit Kündigung etwas weniger herausbekommen als eingezahlt wurde. Es ist bitter, aber diesen Scherz nehme ich gerne in Kauf, damit ich in 10, 15 oder 20 Jahren eine Freue mit meinen ETF-Anteilen habe.

Ganz generell möchte ich festhalten, dass Mischprodukte immer teurer sind, da die Produktanbieter damit Gebühren rechtfertigen wollen bzw. auch gut „verstecken“ können. In diesem Fall haben wir einen Mix aus Anlage- und Garantieprodukt. Und Garantien haben leider ihren Preis. Es ist auch ein weit verbreiteter Irrglaube, dass steuerliche Vorteile langfristig bessere Erträge bringen. Lieber 27,5% Kapitalertragssteuer auf 1.000 € Gewinn als keine Steuer auf 100 € Gewinn. Dieses Verkaufsargument sollte man einfach ignorieren.

Aus meiner Sicht ist es in der Regel besser, das Produkt zurückzukaufen und einen ETF-Sparplan anzulegen. Ich würde das nur dann bleiben lassen, wenn die Restlaufzeit nicht länger als ein Jahr beträgt. Ein ETF-Sparplan ist dann sinnvoll, wenn man den letzten eingezahlten Euro mehr als 10 Jahre „arbeiten“ lassen kann. Hier findest du eine Anleitung.

Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge hat meines Erachtens weder den Namen noch die staatliche Förderung verdient.

Johann Kofler-Mair

Rückfragen oder Anmerkungen

Wenn du selbst so ein Produkt laufen hast und nicht sicher bist, kannst du mir gerne ganz unverbindlich einen Scan oder ein Bild von der Polizze und/oder dem Vertrag per E-Mail übermitteln. Ich gebe dir gerne einen schnellen und kostenlosen Rat.

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