Analyse: Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge mit Kapitalgarantie

Die langfristige Vorsorge ist grundsätzlich eine sehr wichtige Sache. Fraglich ist, ob dieses staatlich geförderte Produkt auch so toll ist.

Die Analyse einer bereits über 12 Jahre laufenden staatlich geförderten Zukunftsvorsorge für einen Klienten ergab, dass der Vertrag intransparent und teuer ist und bisher nicht wirklich verzinst wurde. Meine eindeutige Empfehlung: KÜNDIGEN.

Eckdaten des Versicherungsvertrags

Diese geförderte „Prämienpension“ wurde mit 01.12.2005 abgeschlossen und soll bis 01.12.2055 – also insgesamt 50 Jahre – laufen. Der Vertrag wurde für den Sohn des Klienten (damaliges Alter 15 Jahre) abgeschlossen und sollte bis zum angenommenen Pensionsantritt mit 65 Jahren laufen. Die Prämien beliefen sich zu Beginn auf 20€ pro Monat und später ab Mitte des Jahres 2009 auf 40€ pro Monat.

Der Klient wollte die Polizze dieses Jahr an den Sohn übergeben bzw. übertragen und war sich nicht sicher, ob es aus Sicht des Übernehmers besser wäre, den Vertrag weiterlaufen zu lassen, prämienfrei zu stellen oder zu kündigen. Er konnte schwer abschätzen, wie gut dieses Versicherungsprodukt tatsächlich ist und bat mich um Unterstützung.

Analyse

Ein guter Ausgangspunkt für die Analyse ist immer das jährliche Informationsblatt der Versicherung zu einem Bewertungsstichtag. In diesem Fall sah dies per 16.05.2018 wie folgt aus:

Prämienpension zum Bewertungsstichtag 16.05.2018

Anhand dieses Auszugs kann man schon relativ gut beurteilen, wie gut sich die Polizze in den 12,5 Jahren seit Abschluss bis 16.05.2018 entwickelt hat. Eingezahlt wurden Prämien in Höhe von 5.116 € und dafür gab es staatliche Förderungen von 304 € (im Schnitt ca. 5,9%).

Die Kapitalgarantie bei Verrentung ab Pensionsantritt würde bei Einstellung der Prämien 5.420 € betragen. (Summe Prämien und staatliche Förderungen)

Der Wert der Polizze beträgt zum Stichtag 5.429 €, wobei das Geld zu 42,7% in einem Aktienfonds ( ISIN: AT0000659644; Daten auf Fondsweb) und zu 57,3% im Deckungsstock der Versicherung veranlagt ist. Der Wert der Veranlagung liegt somit nur um 9 € über dem garantierten Betrag (Einzahlungen + staatliche Prämie = 5.420 €) . Obwohl die Prämien seit rund 12,5 Jahren veranlagt wurden, konnten mit der Veranlagung effektiv nicht mehr als 9 € Zinsen verdient werden. Das entspricht in etwa 0,72€ an Zinsen pro Jahr – also rund 0,03% Wertsteigerung pro Jahr. Ohne die staatliche Prämie wäre somit jedes Online-Sparbuch besser.

1. Kritikpunkt: Effektiv ist der Zinsertrag auf das eingezahlte Kapital viel zu niedrig (0,03%).

Wie sieht es inklusive der staatlichen Prämie aus? Hier haben wir einen Zugewinn von 313 € in 12,5 Jahren. Dies entspricht einer Wertsteigerung von 25 € – also rund 0,9% – pro Jahr. Das ist jetzt natürlich schon deutlich mehr als die 0,03% ohne die Unterstützung des Staates; sehr rosig ist es allerdings nicht. Warum? Weil damit nicht einmal die Inflation abgedeckt ist. Somit können wir uns bei einer Inflation von 2% um die 40 € im Monat, die wir jetzt an Prämie bezahlen, im Jahr 2055 (Laufzeitende) nur mehr Dienstleistungen und Produkte im Wert von 33€ kaufen. Es entsteht jedes Jahr ein realer Wertverlust von ca. 1,1%.

2. Kritikpunkt: Trotz der hohen staatlichen Prämie (~ 5,9%) wurde die Inflation nicht abgedeckt.

Ich möchte auch noch einen Blick auf die Veranlagung der Zukunftsvorsorge werfen.

Rund 43% sind in dem „Zukunftsvorsorge Aktienfonds“ (ISIN: AT0000659644; Daten auf Fondsweb) investiert und dieser hat in der Vergangenheit keine sonderlich guten Ergebnisse erwirtschaftet. Der unten stehende Kursverlauf zeigt, wie es um die Rendite steht. Der Fonds konnte vermutlich wegen der hohen Kosten von 2,09% pro Jahr in den letzen 15 Jahren nur eine annualisierte – also jährliche – Rendite von 1,73% p.a. erwirtschaften, obwohl der ganze Sektor eine Rendite von 8,64% pro Jahr erreichte.

Als Privatanleger sollte man sich folgende Frage stellen: Würde ich mein Geld auch direkt in diesen Fonds investieren? Ich würde das keinesfalls empfehlen.

3. Kritikpunkt: Der Aktienfonds hat zu hohe Kosten und eine zu niedrige Rendite.

Performance „Zukunftsvorsorge Aktienfonds“ (Quelle: Fondsweb 01.07.2019)
Rendite „Zukunftsvorsorge Aktienfonds“ (Quelle: Fondsweb 01.07.2019)
Gebühren und Stammdaten „Zukunftsvorsorge Aktienfonds“ (Quelle: Fondsweb 01.07.2019)

Die restlichen 57% werden im Deckungsstock der Versicherung veranlagt. Hier kann man leider kaum auf historische Zahlen zugreifen. Laut Geschäftsbericht des Versicherungsunternehmens erwirtschaftete die Versicherung 2018 für den Deckungsstock unter „Berücksichtigung der Garantiekosten“ eine Verzinsung von 2,25%. Dieser Wert liegt zumindest über der Inflation. Man weiß allerdings nicht, in welche Wertpapiere hier das Geld der Versicherungsnehmer investiert ist.

4. Kritikpunkt: Es fehlt die Transparenz bei der Veranlagung im Deckungsstock.

Beurteilung der Option Rückkauf

Ab einer gewissen Laufzeit kann eine Polizze auch zurückgekauft – also gekündigt – werden. Der Kunde erhält hier den Rückkaufswert zum Kündigungsstichtag. Im oberen Auszug ist ersichtlich, dass der Rückkaufswert per 30.04.2018 5.287 € beträgt. Das sind um 171 € mehr als die eingezahlten Prämien und um 142 € weniger, als die Polizze wert ist. Wie genau dieser Wert berechnet wurde, ist nicht ganz schlüssig. Jedenfalls wurde mit dem * im Informationsblatt angedeutet, dass nicht alles berücksichtigt ist.

Der Versicherer erklärt auf Seite 2 der Polizzeninformation, warum diese bei Rückkauf weniger wert ist:

Anmerkungen des Versicherungsunternehmens zum Rückkauf der Polizze.

Wir müssen einen Rückkaufsabschlag von 1% bezahlen, die Hälfte der staatlichen Förderungen zurückzahlen und 27,5% Kapitalertragsteuer (KESt) auf die erzielten Kapitalerträge nachzahlen. Der letzte Punkt mit KESt-Nachversteuerung tut scheinbar nicht weh, da es die Versicherung offensichtlich in 12,5 Jahren nicht geschafft hat, überhaupt Zinserträge für den Versicherungsnehmer zu erzielen. Allerdings trügt der Schein mit hoher Wahrscheinlichkeit. Wie oben ersichtlich wurden im Fonds und Deckungsstock gewiss Kapitalerträge (rd. 2% p.a.) erwirtschaftet, allerdings dürften die Kosten der Versicherung (Abschlussprovisionen, Bestandsprovision, Versicherungskosten, usw.) diese zu einem großen Teil wieder aufgefressen haben. Nachdem in der Info beim Rückkaufswert geschrieben steht: „ohne Berücksichtigung der gesetzlichen Rechtsfolgen“, gehe ich davon aus, dass vom Rückkaufswert noch die KESt und die halbe staatliche Förderung abzuziehen sind. Ich rechne damit, dass man bei Kündigung halbwegs eben aussteigt.

5. Kritikpunkt: Keine Transparenz bei Provisionen, laufenden Gebühren und Kosten des Vertrags.

Warum ist der Rückkauf die einzig sinnvolle Option?

  1. Der Vertrag soll noch bis 2055 – also rund 36 Jahre lang – laufen.
  2. Die bisherige Rendite der Versicherung ist miserabel (~0,9% p.a.).
  3. Die Inflation wurde bisher nicht annähernd abgedeckt.
  4. Keine Transparenz bei Kosten, Provisionen und Gebühren.
  5. Es gibt viel bessere, einfachere und transparentere Wege für die langfristige Geldanlage.

Abschluss der Analyse

Nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ habe ich dem Klienten empfohlen, die Zukunftsvorsorge so schnell wie möglich zu beenden.

Im zweiten Teil werde ich berichten, wie viel der Klient – bzw. sein Sohn – nach dem Rückkauf tatsächlich ausgezahlt bekommen hat. Und im dritten Teil erstelle ich noch einen Vergleich, wie man bei Investition in eine passenden ETF ausgestiegen wäre.


INFO: Besonderheiten der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge

Obwohl aus meiner Sicht nur die historische Entwicklung und Struktur von Produkten relevant ist, stelle ich hier noch ein paar relevante Eckdaten zur Verfügung.

  • Es gibt eine staatliche Zusatzprämie auf die eigene Prämienleistung (2019: 4,25%, bei Vertragsabschluss 2005: 9%!) ACHTUNG: hier gilt wie beim Bausparer, dass es nur einen staatlichen Zuschuss auf die in einem Jahr eingezahlte Prämiensumme gibt. Nicht auf das angesparte Kapital.
  • Veranlagung in Aktien und Deckungsstock: In Abhängigkeit des Vertrags und des Alters der Versicherungsnehmerin wird ein gewisser Teil der angesparten Summe – zum Beispiel 40% – in (meist österreichische) Aktien investiert. Der Rest geht in mit weniger Risiko behaftete Anleihen oder in den Deckungsstock der Versicherung.
  • Kapitalgarantie: Bei Einhaltung der Mindestprämiendauer (10 Jahre) erhält man ab Pensionsantritt garantiert alle eingezahlten Prämien und die staatlichen Förderungen in Form einer monatlichen Rente zurück. Somit trägt man kein Verlustrisiko, solange man den Vertrag auch bis zum Ende erfüllt. Bei vorzeitiger Kündigung gilt dies natürlich nicht.
  • Steuern: Man bezahlt keine Versicherungssteuer, keine Kapitalertragsteuer und auch keine Einkommenssteuer bei der Rentenauszahlung. Anmerkung: Ich zahle lieber 27,5% Kapitalertragsteuer auf einen Gewinn von 1.000€ also keine Steuer auf einen Gewinn von 100€.

Zusätzliche Links und Informationen

Die staatliche Prämie betrug zu Beginn im Jahr 2003 9,5% und wurde ab 2012 ca auf die Hälfte gekürzt. Immerhin noch 4,25%. https://www.bmf.gv.at/finanzmarkt/altersvorsorge/Zukunftsvorsorge_Beitrag_und_Praemie.pdf?6m8gzu

Geldmarie.at: Umfassende Zusammenstellung. Allerdings bin ich anderer Meinung bei der Beurteilung. Die Zukunftsvorsorge ist aus meiner Sicht keine gute Alternative für eine weitere Zusatzpension.

DiePresse.com: Artikel „Vorsorgefonds: Zahlen fürs Nichtstun“. Die „fatalen Konstruktionsfehler“ werden aufgezeigt.

Gewinn.com: Artikel „Zukunftsvorsorge im Dornröschenschlaf

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